Leihhaus

Die Entstehung der kommunale Leihhäuser

/ / History / 13. November 2017

Das erste kommunale Leihhaus war das „Montes Pietatis“. Es entstand aus der Not heraus Ende des 14. Jahrhunderts als öffentliche Einrichtungen.

„Montes Pietatis“ stammt aus dem Italienischen und bedeutet „Berg der Barmherzigkeit“. Als diese wurden die von Geistlichen des Franziskanerordens geführten karitativen Pfandleihhäuser bezeichnet.

Besonders hervorzuheben ist in diesem Bezug der Kanzlerredner Bernhardin von Feltre. Er war Franziskanermönch, bedeutender Prediger und Gründer vieler karitativer Leihanstalten. Der Mönch hetzte gegen die „wuchernden Juden“ und trieb die Gründung von „Montes Pietatis“ weiter voran. Den Juden und der alten Geldaristokratie gelang es, anfänglich die Gründung dieser in den großen Städten zu behindern. Dennoch breiteten sich die Pfandleihhäuser im Laufe des 16. Jahrhunderts n. Chr. zu Dutzenden in italienischen Großstädten aus.

Das Leihhaus der Mönche

Sie wurden entweder von Franziskaner- oder Dominikanermönchen geführt. Ihr Kapital erhielten die „Monte Pietatis“ anfangs nur durch Geschenke, Stiftungen sowie Zuwendungen von Fürsten und Gemeinden. Mitte des 16. Jahrhunderts fingen sie jedoch selber an, Kapital gegen Zinsen aufzunehmen. Diese als „Entschädigung“ bezeichneten Zinsen, betrugen zwischen 8% und 15%. Darlehen auf mehrere Monate, aber in der Regel nicht länger als ein Jahr, wurden allen Hilfsbedürftigen gewährt. Die „Montes Pietatis“ waren Wohltätigkeitsanstalten mit geschäftlichem Charakter.

Das Leihhaus in Europa

Ab dem 16. Jahrhundert breitete sich das Geschäft der öffentlichen Leihhäuser zögerlich von Italien in den Norden Europas aus. In Brüssel eröffnete das erste öffentliche Leihhaus 1619, in Antwerpen 1620, in Genf 1622 n. Chr.. In Frankreich entstanden die ersten Leihhäuser im Süden des Landes nach italienischem Vorbild in Avignon 1577, in Beaircain 1583 und in Marseille 1673 n. Chr..

Auch die ersten deutschen Leihhäuser entstanden in Augsburg 1591 n. Chr. und Nürnberg 1618 n. Chr. und richteten sich ebenfalls nach dem italienischen Vorbild. Zuvor hatte in Augsburg der Magistrat den Juden das Pfandleihgeschäft verboten, 30.000,00 Gulden zum Fond eines Leihhauses bewilligt und 1607 eine Leihhausordnung herausgegeben. Das städtische Leihhaus in Nürnberg wurde am 4. November 1618 im Kloster St. Klara eingerichtet. Die Augsburger Leihhausordnung diente hier als Vorbild. Es existieren kaum Nachweise, was mit diesen Leihhäusern nach dem 30-jährigen Krieg geschah.

Nach dem Vorbild der Montes Pietatis entwickelten sich in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert die in kommunaler Selbstverwaltung geführten Gemeindesparkassen.

Übersicht der Leihhäuser in Deutschland


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